2. Sondierungsgespräch zum Zukunftssicherungstarifvertrag

2. Sondierungsgespräch zum Zukunftssicherungstarifvertrag

Im zweiten Sondierungsgespräch mit IG Metall, Betriebsräten und Geschäftsführung am 31.Mai wurde intensiver über die Themen Definition von Zielbilder, Geschäftschancen und Transformation gesprochen.

Nach wie vor sieht sich das Unternehmen nicht in der Lage, mittel- oder langfristige Ziele in neuen Geschäftsfeldern zu definieren. Dafür sei die aktuelle Situation in der Automobilbranche viel zu volatil, was Überlegungen hinsichtlich einer nachhaltigen Umsetzung schlicht nicht ermöglich. Im Klartext bedeutet nachhaltige Umsetzung die Gewissheit, dass die wirtschaftlichen Interessen gewahrt werden! Und diese Gewissheit hat Bertrandt aktuell nicht.

Die IG Metall hat signalisiert, dass gemeinsame Überlegung zur Ausgestaltung nicht zwangsläufig ein Zielild bis 2030  ergeben muss. Ein Zeitfenster bis 2023 mit ersten, klar definierten Schritten und einem Ziel wären als Ausgangspunkt für Verhandlungen denkbar.

In diesem Zusammenhang müssen auch Geschäftschancen identifiziert und betrachtet werden.  Die Belegschaft könnte sich mittels eines guten Innovationswesens beteiligen. Aktuell verkümmert das Innowesen bei Bertrandt. Dieser Tatsache hat die Geschäftsführung zugestimmt, jedoch auf ernüchternde Erfahrungen in der Vergangenheit hinsichtlich Belegschaftsbeteiligung bei Innovationen verwiesen. Es hätte im Unternehmen schon mehrere Anläufe in diese Richtung gegeben, die jedoch am Ende immer gescheitert seien. Nichts desto trotz könne man sich ein „Beteiligungsmanagement“ vorstellen. Unter diesem Aspekt wird die Geschäftsführung einen Termin mit der Holding zwecks eines neuen Konzeptes initiieren.

Was die Transformation bei Bertrandt angeht, so ist mit dem systematischen internen Ressourcenausgleich in den Konsolidierungsbereichen (das sind die von Massenentlassungen betroffenen Bereiche) Anfang Juni begonnen worden. Etwas Derartiges hat es bei Bertrandt in der Vergangenheit noch nicht gegeben. Das und die deutlich verbesserte Auftragslage sowie die Tatsache, dass es Betriebsräte am Standort gibt, sind ursächlich für die vorübergehende Aussetzung der geplanten Massenentlassungen. Nach Aussage der Geschäftsführung muss die Entwicklung der nächsten 2 Monate abgewartet und die Notwendigkeit von Kündigungen dann neu bewertet werden. Damit stehen mögliche Kündigungen natürlich nach wie vor im Raum und Bertrandt hat in der jüngeren Vergangenheit zu diesem Mittel gegriffen. Die IG Metall hat die Geschäftsführung aufgefordert, die „gewonnene“ Zeit schon jetzt sinnvoll zu nutzen, um eine gemeinsame Strategie zu erarbeiten, da der Wandel in der Automobilindustrie voranschreitet und die positive Auftrags- und Auslastungslage lediglich aktuell und damit kurzfristig den Druck nimmt.

Die für das Unternehmen alles entscheidende Frage lautet: welchen Titel trägt das Schriftstück, welches evtl. irgendwann zur Unterschrift vorliegt? Ist ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung? Im Gespräch wurde darauf natürlich keine Antwort gefunden, jedoch hat man sich auf die Fortführung der Gespräche geeinigt.