Gemeinsam Zukunft gestalten – Interview mit Dilay Kilic und Jan Conrad

Gemeinsam Zukunft gestalten – Interview mit Dilay Kilic und Jan Conrad

Jan, du gehörst auch zu den Kolleginnen und Kollegen, die diese Betriebsratswahl ermöglicht haben. Eure Liste stellt die meisten Mitglieder im ersten Betriebsrat. Was bedeutet dir das und wie war die Reaktion in der Belegschaft?

Jan Conrad: Mir zeigt das Wahlergebnis, dass wir in die richtige Richtung gehen. Erste Anfragen von Beschäftigten nach der Wahl zeigen außerdem, dass der Bedarf für einen Betriebsrat auf jeden Fall vorhanden ist.

Das Wahlergebnis zeigt mir auch, dass es noch Vorbehalte gegen die Gewerkschaft gibt, die in meinen Augen aber unbegründet sind. Ohne die Unterstützung der IG Metall hätte es am Dienstag keine Wahl gegeben.

Die Konstituierung des Betriebsrates findet im Januar statt. Was sind für euch die ersten Schritte, die danach folgen?

Dilay Kilic: Mit der Konstituierung beginnt unser Tagesgeschäft.  Wir können dann unsere gesetzlichen Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte wahrnehmen. Eine verantwortungsvolle Arbeit im Betriebsrat ist nur möglich, wenn wir über das erforderliche Wissen verfügen. Einer unserer ersten Schritte wird daher der Besuch von Seminaren sein, um das Grundlagenwissen im Betriebsverfassungs- und Arbeitsrecht zu erlangen.

„Wir gestalten Zukunft“. Mit diesem Motto seid ihr zur Wahl angetreten. Was bedeutet das für euch in der neuen Rolle als Betriebsratsmitglieder?

Jan Conrad: Was wir konkret verändern hängt natürlich maßgeblich von den Themen ab, die die Belegschaft an uns heranträgt. Dazu sind die Betriebsräte gefordert zuzuhören und zu verstehen. Einen ersten Einblick dazu hat uns das Stimmungsbarometer auf dem Blog schon geliefert. Langfristig werden wir natürlich auch die aus Betriebsratssicht wichtigen Themen wie Lohntransparenz, Arbeitszeiten etc. aufnehmen.

Die Zukunft zu gestalten heißt für uns auch, gemeinsam mit dem Arbeitgeber nach Lösungen zu suchen und daran zu arbeiten, dass Bertrandt für den Wandel in der Arbeitswelt gut gerüstet ist und die Interessen der Arbeitnehmer/innen dabei berücksichtigt werden. Technischer und sozialer Fortschritt gehören zusammen.

Was genau ist das Ergebnis eurer ersten Befragung? Was ist den Kollegen/innen wichtig? Gab es in der Auswertung Überraschungen für euch? Wie wollt ihr als Betriebsratsmitglieder damit umgehen?

Dilay Kilic: Die Befragung hat gezeigt, dass die Mehrheit der Belegschaft sich nicht ausreichend wertgeschätzt fühlt. Dies kann darauf zurückzuführen sein, dass wir im Betrieb sehr viele junge Mitarbeiter/innen haben, die viel Wert auf ein konstruktives Feedback legen.
Viele Kollegen/innen haben uns von Versprechungen bzw. Zusagen bzgl. Schulungen oder Gehaltsanpassungen berichtet, die dann doch aufgeschoben oder nicht eingehalten werden. Das wirkt sich negativ auf die Motivation aus und das Arbeitsklima leidet.

Für uns ist es wichtig, die Kollegen/innen besser kennenzulernen. Wir werden aktiv auf sie zugehen und uns über ihre Anregungen und Probleme informieren, um noch mehr darüber zu erfahren, was genau verändert werden soll.

Dilay, Du hast dich im Wahlkampf besonders für die Frauen im Betrieb stark gemacht. Was bewegt Dich dabei am meisten und was könnte ein erster Schritt des Betriebsrates im Sinne der Frauenförderung sein?

Dilay Kilic: Nach wie vor haben Frauen im Arbeitsleben nicht die gleichen Karrierechancen wie Männer. Die meisten Vollzeitbeschäftigten sind Männer. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, um Familie und Beruf in Einklang zu bringen.

Deshalb werde ich mich dafür einsetzen, dass Möglichkeiten geschaffen werden, damit Frauen bei uns Familie und Beruf besser vereinbaren können. Beispielsweise eine Unterstützung für die Kinderbetreuung anbieten, um den Wiedereintritt in die Arbeitswelt nach der Elternzeit erleichtern.