Unsere Forderung: Zukunftstarifvertrag

Forderungspapier der Wolfsburger Bertrandt-Beschäftigten und der IG Metall an die Bertrandt Geschäftsführung

Let’s Bertrandt – Zukunft gemeinsam in einem verlässlichen Rahmen gestalten!

1. Worum es geht

Wir sind in Sorge um unsere Arbeitsplätze und um die Zukunft des Bertrandt-Standortes Wolfsburg. In der fundamentalen Transformation benötigen wir die übergreifende Kraft der Ideen aller Akteur*innen, die unabhängig von Fachbereich, Standort oder GmbH-Zugehörigkeit gemeinsam und solidarisch das Unternehmen neu denken und gemeinsam Lösungen für Zukunftsstrategien finden.

Bertrandt am Standort Wolfsburg steht als Dienstleister für Automobil-, Nutzfahrzeug- und Luftfahrtindustrie vor großen technologischen Veränderungen.

Die tiefgreifenden Technologie- und Marktveränderungen bieten Chancen für neue Geschäftsfelder und gehen mit vielfältigen Auswirkungen auf Beschäftigungsverhältnisse einher. Die Corona-Pandemie hat das Unternehmen sowie die Automobilindustrie mit neuen Herausforderungen und Krisensituationen konfrontiert.

An vielen Bertrandt-Standorten besteht seit Frühjahr 2020 Kurzarbeit, die Umsatz- und Ertragssituation ist konzernweit angespannt.

Die Bertrandt-Beschäftigten am Standort Wolfsburg und die IG-Metall sind davon überzeugt, dass sowohl der anstehende Transformationsprozess, als auch die Bewältigung der akuten Corona-Krise, sowie die langfristigen Folgen für das Unternehmen und die damit notwendig gewordene Neuaufstellung nur im gemeinsamen Dialog zu bewältigen sind.

Dabei gilt es, alle Beschäftigten auf diesem Weg mitzunehmen und für Zukunftschancen zu begeistern, sowie die Wettbewerbsfähigkeit von Bertrandt am Standort Wolfsburg nachhaltig zu sichern. Unser Ziel ist es, Vereinbarungen mit der Geschäftsführung zu verhandeln, die den Standort stärken. Zusätzlich müssen die Beschäftigten in den Transformationsprozess einbezogen werden. Darüber hinaus müssen zukunftsorientierte Qualifikationen gefördert werden, um für alle Beschäftigten die Arbeitsplätze zu sichern.

Wir fordern deshalb Rahmenbedingungen für die Bewältigung der Krise und die Gestaltung der Transformation in den Betrieben.

Dazu wollen wir, die Beschäftigten am Standort Wolfsburg mit allen dazugehörigen Niederlassungen, einen verbindlichen Rahmen schaffen und fordern deshalb die Geschäftsführungen zu Verhandlungen über einen Zukunftssicherungstarifvertrag auf.

2. Let’s Bertrandt – so schaffen wir es.

Um die Wirkungen der Transformation auf den Standort gemeinsam abschätzen und bewältigen zu können, wird unverzüglich ein Zielbild für den Standort mit Blickrichtung 2030 erarbeitet (3. Zielbildprozess: Wo soll es hingehen?). Ein erster Gesamtstatus zum Zielbild wird spätestens im Februar 2022 berichtet. Die Zielbilder sollen bis spätestens 30.09.2022 finalisiert sein. Zur Unterstützung werden in jeder Abteilung, abhängig von deren Größe, ein bis drei Stellen für Transformationslots*innen geschaffen.

Orientiert auf das Zielbild “Let’s Bertrandt“ wird ein strategisches Qualifizierungs- und Personalentwicklungskonzept für alle Bertrandt-Beschäftigten umgesetzt. Dabei werden die Möglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit und das “Arbeit von Morgen”-Gesetz mit Hilfe der IG-Metall genutzt.

Damit Beschäftigte und Unternehmen auf Augenhöhe den Transformationsprozess gemeinsam gestalten können, werden sowohl auf Betriebsrats- als auch auf Unternehmensseite je mindestens 15 Transformationslots*innen ausgebildet, die im Prozess eine unterstützende und initiierende Funktion haben.

Bis 31.12.2025 sichert das Unternehmen den Beschäftigten eine Beschäftigungssicherung zu und verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen.
Wir fordern eine dauerhafte tarifliche Regelung zur Kurzarbeit und Beschäftigungssicherung für den Zeitraum der Transformation.

3. Zielbildprozess: Wo soll es hingehen?

Für den Standort Wolfsburg wird bis spätestens zum 30.09.2022 ein Zielbild entwickelt. Dabei wird wie folgt vorgegangen:

In einer Analysephase werden die Auswirkungen der Corona-Krise, sowie der anstehenden Transformation der Dienstleistungen für jede Niederlassung erfasst. Eine zu erstellende Kompetenzanalyse fasst die Stärken und Schwächen, Technologiepositionen und Wettbewerbsfähigkeit zusammen. Daraus werden Ziele und konkrete Maßnahmen zur Entwicklung der Niederlassungen in wirtschaftlicher Hinsicht, sowie zur strategischen Zukunftsausrichtung abgeleitet.

Dieses Zielbild wird zwischen Niederlassungsleitung und Betriebsrat unter Vorlage der notwendigen Informationen und bei Bedarf unter Hinzuziehung von Fachexpertise erstellt, diskutiert und beraten, sowie die daraus folgenden Maßnahmen definiert.

Themen und Inhalte der Zielbilder sind insbesondere zukünftige Dienstleistungen und Auslastung, Investitionen, Beschäftigung, Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit und notwendige Qualifizierung. Die Zielbilder sollen zumindest den Zeitraum bis 2025 in den genannten Feldern betrachten.

Kann keine Einigung über ein Zielbild erzielt werden, wird für den Standort Wolfsburg ein Lenkungskreis „Transformation und Beschäftigungssicherung“ eingerichtet und hinzugezogen.

4. Transformationsprozess am Standort Wolfsburg praktisch gestalten

Zur Gestaltung des Transformationsprozesses werden die Wirtschaftsausschüsse der am Standort vertretenen Betriebsräte regelmäßig und umfassend über folgende Themen informiert:

  • Stand und Umsetzung der Zielbildprozesse
  • Bestehende oder drohende Unterauslastung von Niederlassungen
  • Beschäftigungsprognosen entlang der vom Vorstand zur Planung herangezogenen Szenarien
  • Standortübergreifende Veränderungsprozesse
  • Anstehende wesentliche Lokalisierungsentscheidungen von Dienstleistungen, Technologien, Investitionen und Volumen

Zusätzlich wird auf Ebene des Konzerns ein paritätischer „Lenkungskreis Transformation und Beschäftigungssicherung“ gebildet, der auf Konzernebene übergeordnet den Veränderungsprozess des Unternehmens begleitet. Er besteht aus den Betriebsratsvorsitzenden der am Standort Wolfsburg vertretenen Betriebsräten, sowie entscheidungsfähigen Beauftragten des Unternehmens aus den Bereichen Personal, Finanzen und Einkauf.

Dieser Lenkungskreis kann von jeder Betriebspartei angerufen werden und tritt insbesondere zusammen, um folgende Themen zu beraten:

  • Konflikte bei der Erstellung und Implementierung der Zielbilder, die am Standort nicht lösbar sind
  • Wesentliche Neuausrichtungen des Konzerns
  • Konflikte um maßgebliche Lokalisierungsentscheidungen, die Auswirkungen auf den Standort Wolfsburg haben
  • Konzernweite Projekte und Initiativen zur Unterstützung der Zielbilder

5. Mit Auszubildenden und Studierenden ist die Zukunft schon jetzt an Bord!

Wir fordern die unbefristete Übernahme von Auszubildenden und Dual Studierenden. Und einen tariflich geregelten Integrationsweg für Studierende über Praktika, Bachelor/Master und Promotion ins Unternehmen.

6. Das Wissen und die Erfahrung sind der Schlüssel zum Erfolg! Durch Beteiligung der Beschäftigten die Transformation mit Power innovativ und solidarisch gestalten.

Wir fordern zur Bewältigung der Transformation die intensive Einbindung der Beschäftigten in die Veränderungsprozesse. Dazu sind zwischen den Betriebsparteien geeignete Formate zu verabreden, um die Beteiligung und den Informationsaustausch individuell oder in den jeweiligen Teams/Abteilungen sicher zu stellen.

Unsere Forderung: Zukunftstarifvertrag 25. Februar 2021